Hackers: Eine Love- und Sexstory

Als ich Montag letzter Woche aufwachte fühlte ich mich ein wenig wie Bart, als er im Zuckerschock den Pfadfindern beigetreten ist und das erst am nächsten Morgen  bemerkt. Ich hatte mir von Plom am Abend vorher mehrere Bücher für meinen Bücherstack (pushl!) aufschwatzen lassen. Der mittlerweile verdächtig unverändert neben meinem Bett verstaubt. Das liegt unter Anderem daran, dass wir AoM auf meinem Rechner zum Laufen bekommen haben aber das ist eine andere Geschichte. Genau genommen eine Geschichte von verschwendeter Zeit, griechischen Göttern und TK-Pizzen.
Aber mir kam es eigentlich ganz recht, dass ich mich zwischen einem dieser ansprechend gestalteten Büchern entscheiden konnte:

                

Und da “Hackers” natürlich oben auf meinem Stack lag (das hat mit der spezifischen Architektur meines Regals zu tun) tauschte ich es mit dem Buch von Christian Heller in meinem Rucksack aus und fing an, mich in die Welt der Massachusetts-Brillenträger entführen zu lassen. Und es dauerte eigentlich nichtmal 24 Stunden bis ich schon meinem halben Freundeskreis freundlich aber bestimmt dazu aufforderte das Buch ebenfalls zu lesen. Die Hälfte davon wiederum hatte das eh schon getan.

ES IST SO TOLL UND SIE REDEN VON ASSEMBLER WAS SONST NIE JEMAND TUT!
(immer geht es nur darum, wie scheiße Java ist)

Interessant dabei ist natürlich, dass ich viele der Begriffe und technischen Abhandlungen noch vor einem Monat nur mit Mühe verstanden- nein Moment, gar nicht ver- nein ich wäre nie auf die Idee gekommen dieses Buch zu lesen. Ich hätte Bourdieu unter einem anderen Buch versteckt. Oder unter der Bettdecke. Oder mich unter der Bettdecke. Irgendwie so.

Jedenfalls ist das Buch eine furchtbar nette Ehrung der vielen “awkward” Nerds vom MIT, die an Computern, in denen ich locker wohnen könnte, das erste “Spacewar!”-Spiel entwickelten. Menschen, für die Computer das interessanteste der Welt waren. Die auch mal auf Schlaf, Schule und Leben verzichteten, um ein Programm zu verbessern. Die im Nachbarzimmer lauerten, um zu sehen, ob nicht jemand seine Schicht am Computer vergessen hatte, damit sie für ein paar Stunden weiter programmieren konnten. Achja und hier sehen Sie Vint Cerf, der das Internet erfunden hat und hier ebenfalls Spacewar spielt:

 

Und das ist der PDP-1 Computer.  In meinem Kreuzberger Zimmer ist Platz
für den Schreibtisch und den Mülleimer.

Aber jetzt auch mal abgesehen von jeder Ironie, mit der ich mich als Nerdette schimpfe, ist es wirklich bemerkenswert, wie sehr sich mir ein komplett neues Interessenfeld öffnet. Ein bisschen so wie ich gehofft hatte. Zuletzt saß ich aus unbekannten Gründen auf dem Boden in der Ecke eines Freundes und guckte auf seinen Tower. Und sah, dass er eine durchsichtige Plexiglaswand hatte! Ich scherzte, dass ich ihn mal irgendwann auseinanderschrauben würde, wenn er ihn nicht mehr bräuchte, aber das durfte ich dann auch so. Das erinnerte mich ein bisschen daran, dass mir mein Vater vor vielen Jahren mal einen kaputten Toaster und einen Schraubenzieher in die Hand gab und ich ihn soweit zerlegen konnte wie möglich. Schon ein wenig absurd, aber zurückblickend ist das aus zwei Gründen lustig: Zum einen, weil das eigentlich ein toller Ansatz ist und ich es jederzeit genauso tun würde. Ich hatte den Toaster auch schon ganz vergessen. Zum Anderen ist das lustig, weil ich den Toaster einen Tag vorher selber kaputt gemacht hatte, weil ich versuchte, ein Toast mit einem Messer herauszufischen bis ein paar Funken aus dem Toaster kamen. Aber das wusste mein Vater ja nicht. Und ich hoffe ihm verrät das jetzt keiner.

In den Tower hineinzuschauen war jedenfalls unheimlich spannend. Das erinnert mich daran, wie mein Vater mir damals sehr oft das Innere von selbstgebauten Raketen zeigte und erklärte und es mich kein Stück interessierte. Aber in diesem Falle war es eine eigene Entdeckung. Ich konnte mir endlich mal ein Bild davon machen, wie eine CPU  aussieht, entdeckte den BIOS chip und fand heraus was das ist. Ich entdeckte ihn auch nur, weil da groß BIOS drauf stand. Ich sah die Arbeitsspeicher, die Festplatte, die Datenbusse und den verstaubten Lüfter, von dem ich Flusen abzupfte. Das machte mich irgendwie nervös und ich reinigte ihn später mit einer Pinzette um mich besser zu fühlen.
Aber abgesehen davon war es tatsächlich weniger ein Blick auf die Computerarchitektur sondern wie eine kleine Reise in das Wissen, das ich in letzter Zeit neu dazugewonnen hatte. Ein bisschen ähnelte das Motherboard einer schwarzen Landkarte, die sich langsam lichtet. So wie wenn ich mit Spähern bei Age of Mythol- na egal.

Es ist ein tolles Gefühl, diese Welt nach und nach zu erschließen. Das zu wollen und zu merken, dass ich dazu fähig bin. Ob mein Vater mir mit dem Toaster sagen wollte “Tochter! Auch du kannst Programmieren, Betten bauen, Autos reparieren und Holz hacken lernen und Spaß daran haben!” weiß ich nicht. Es hat mir sicher einen kleinen Schubs in die richtige Richtung gegeben. Wobei ich mir schon mehr Ermutigung in diese Richtung gewünscht hätte. Dass ich jetzt eine blumige Geisteswissenschaft studiere ist natürlich in Ordnung. Aber dass schon vorher durch Andere (sexistische Chemielehrer zB.) meine Auswahlmöglichkeiten eingeschränkt wurden lässt sich nicht wegdiskutieren.

Insofern ist es doppelt und dreifach toll, einen Zugang zu etwas so “Technischem” wie dem Programmieren zu finden. Und festzustellen: Geht ja doch! Auch ohne Dings.

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