wir machen jetzt erstmal deinen Rechner platt

„Hast du wirklich alles gebackupt?“
ist nicht unbedingt etwas, was man gerne von zwei Nerdfreunden hört. Aber ich habe mich ja freiwillig in diese missliche Lage begeben.
„Sag Tschüss zu Windows!“ sagt plom auf seine erlehmannige Art bevor wir ein letztes Mal meinen PC vor seiner Schönheits-OP herunterfahren. Es ist wirklich ein seltsames Gefühl. Der Computer ist eben doch ein Zuhause, das ich ungern verlasse, wenn ich weiß, dass es später eine komplett andere Inneneinrichtung haben wird.

Aber bevor wir überhaupt meinen PC töteten, lasen wir uns ersteinmal zwei Vorwörter durch. Zwei, weil wir uns eine halbe Stunde nicht darauf einigen konnten, ob nun Assembly Language Step-by-Step: Programming with Linux (das uns Mitch Altman gab) oder Programming from the Ground Up besser wäre. Wir haben uns dann für Letzteres entschieden, weil es dabei auch nicht darum geht, mich zu einer Assembly-Expertin zu machen sondern mir das Programmieren generell näher zu bringen. Außerdem beginnt es mit „I love programming“ und im Vorwort kommt ziemlich häufig das Wort „master“ vor. Ich hatte auch beim Vorlesen mehrere Fragen, die im darauffolgenden Absatz beantwortet wurden. Ein sehr gutes Zeichen. Ab jetzt gilt es immer jede Woche ein Kapitel zu lesen. Wer mitmachen will sei hiermit natürlich herzlich eingeladen. Ihr könnt ja dann kommentieren oder sowas.

Danach kümmerten wir uns um die Installation von Debian (ein Linux-Betriebssystem so wie ich es verstanden habe). Das funktionierte dann auch nach drei Anläufen.
Linux zu installieren schien irgendwie nur logisch, so kam es mir zumindest vor. Ich kann doch nicht programmieren lernen und dann Windows XP benutzen. Bzw. Windows benutzen. Mir geht es ja darum, meinen Computer zu verstehen. Dazu gehört auch, endlich mal das Terminal zu verwenden. Und zwar für alles. Alles. Auch wenn es mit einem Klick schneller geht. Aber so ein Terminal sieht ja auch schick aus. Ich fühlte mich dem generischen Hacker mit Chips, Kippe, Sonnenbrille und grünen Ziffern die den schwarzen Bildschirm entlangfahren etwas näher. Und damit meinem Ziel!

Die Installation dauerte eine Weile. Wir guckten einen Ausschnitt von einem Fassbinderfilm und ich schickte SMS rum mit „das dauert noch ne Weile. Komme wahrscheinlich nicht mehr nach“.  Als die Installation fertig war sah ich nun das neue Interface meines Computers. Gleich ein Hintergrund mit Raketen und Sternschnuppen, das fand ich irgendwie gut. So harmlos!
Plom und erle zeigten mir das Terminal, wo ich als erstes „man man“ eingab. Das kenne ich noch von irgendwann von irgendwem. Dann schauten wir uns ein wenig in den Verzeichnissen um und dann brachten sie mir bei, wie ich Dinge installiere („apt-cache search“ und „apt-get install“) und wie ich mich als root einlogge („su“) und vor allem wie ich rausfinde, ob ich gerade root bin („whoami“). Wenn ich root bin, sollte ich nicht gleichzeitig depressiv und/oder alkoholisiert sein. Das habe ich auch gelernt.

Als wir mit dem Internet oder wie das heißt rumexperimentierten, wollte erlehmann den Keyring deaktivieren (damit muss man sich immer doppelt authentifizieren, wenn man ins W-Lan will). Das führte aber dazu, dass ich mich stattdessen beim Neustart nicht mehr authentifizieren konnte, weil die Meldung „authentification failed“ immer im Weg war. Das heißt ich konnte nicht mal mehr auf meinen Computer zugreifen! NÄÄÄÄÄÄT Falsch.
Natürlich kann ich das, nämlich mit meinem Terminal, das ich auch aufrufen kann, wenn ich das nicht vorher irgendwo im Bildschirm anklicke. Darüber kommentierten wir den Befehl, der das Unglück verursachte, wieder raus. Faszinierend! Als wäre ich eine Pathologie-Studentin, die das erste Mal…na egal.

Sie zeigten mir noch ein paar awesome features auf meinem Linux, die mein Leben für immer verändern würden. Und sie versuchten mich darauf zu trimmen, in Zukunft nur noch die Thinkpad-Klitoris zu verwenden. Das hat nicht ganz geklappt. Außerdem lernte ich was ein Kernel ist. Bzw. naja, ich würde jetzt gerne wiedergeben, was ich gelernt habe, aber ich müsste das doch nochmal nachlesen. Note to self: Beim nächsten Mal Notizen machen. Gerade habe ich diese Grafik gefunden, die ist ganz nett.

6 Stunden, ein Gericht vom Asiaten, eine Tafel Schokolade, zwei riesige Schokoladenweihnachtsmänner, eine 2-Liter-Flasche Fanta und ein Clementinennetz später (plom: hier, meine Mutter gab mir diesen Sack…Fruchthoden), klappte ich den Laptop zu und ging nach Hause. Wir verabredeten uns zum nächsten Termin am Donnerstag.
Am Tag darauf machte ich für newthinking Fotos und blieb noch anschließend zum Neujahrsempfang wo viele viele Menschen waren. Danach ging ich sogar noch mit ein paar Leuten was essen und trinken. Und auch wenn das sehr schön war dachte ich um ehrlich zu sein die ganze Zeit: „Oh man, diese Menschen überall! Ich will nach Hause, zu meinem Komputah, und mit ihm rumspielen!“

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