Autodiktaturik

Kapitel 3- Your first programs!

Endlich- das wovon die vielen ungebetenen RatgeberInnen die ganze Zeit in meinen Kommentaren sprechen. Produktiv sein, Programme schreiben, sich den Computer Untertan machen und ihn dich alarmieren lassen, wenn die oder der online ist, ihn dazu zwingen, schwierige Rechnungen auszuführen und deine Zeitung reinzuholen.

Nur, dass ein Produktivitätsgefühl wie beim Fertigen eines Produkts mit klarer Kontur keinesfalls eintritt, wenn ich mich Zeile für Zeile durch ein exit-Programm quäle und versuche es zu verstehen. Es ist sicher der unbequemere Weg. Bei Codeyear zB habe ich schon in den ersten Schritten einen Alert programmiert. Er sagt „Deine Mutter“ und taucht auf meinem Bildschirm in einem gesonderten Fenster auf, dunkelt alles andere ab und startet, wenn ich nach dem Befehl „Enter“ drücke. Aber ich kann mich nicht an den Befehl erinnern und weiß auch nicht, wie der dorthin kommt und was alles passieren muss, damit mein Druck auf die Entertaste meine Flüssigkristalle beeinflusst (Also die des Monitors).

Anders bei meinem ersten Programm, das an Glanzlosigkeit kaum zu unterbieten ist. Es heißt exit und wenn ich es ausführe macht es exit. Seid nett zu ihm.
Aber bevor ich das Programm irgendwann auswendig eintippen konnte muss ich es erst aus dem Buch abschreiben. Hinterher wird im Kapitel jede einzelne Zeile erklärt und die commands werden detailliert beschrieben.  Aber leider ging mir schon nach ein paar Seiten das Durchhaltevermögen aus. Zu schwer! Ich verstand es einfach nicht. Ich machte Notizen, ich markierte, ich lernte Vokabeln, kaufte Blumen. Alles hoffnungslos. Am drauffolgenden Tag ging es ein bisschen besser voran, ich schaffte aber wieder nur ein paar Seiten. Aber die Verzweiflung hielt sich trotzdessen in Grenzen.
Schließlich bin ich nicht in einer Uni eingeschrieben um dort Informatik zu lernen und muss mich Woche für Woche darum bemühen, den Anschluss nicht zu verlieren. Alles was ich tun muss, ist durchhalten.

Anstrengend war es trotzdem. Bisher kann ich noch nicht einschätzen, welche Informationen ich nicht zu verinnerlichen brauche und welche wichtig und weiterführend sind. Ist es z.B. wesentlich, zu verstehen, was ein label ist oder ein system call?
Ich bin zwar auch generell nicht besonders gut im Lesen, also genau genommen habe ich mit jedem Text Probleme, aber noch nie bin ich an einem Text gescheitert. Irgendwie habe ich dann doch meine kognitiven Grenzen erforschen, übertreten und auch ausweiten können. In diesem Falle fühlte ich mich nach 6 Stunden ein wenig wie von einem großen Datenbus überfahren (herrgottja!).

Es war insofern sehr tröstlich zu wissen, dass ich bestimmen kann, in welchem Tempo wir vorankommen wollen und wie schnell wir uns durch das Buch arbeiten werden. Und Nachsicht kann ich auch ausnahmsweise mal walten lassen. Immerhin ist wirklich alles neu für mich. Wenn ich einen Text über die Problematik des Kulturbegriffs lese kann ich mich auf das ein oder andere beziehen und Wissenslücken selbstständig schließen. Hier bleiben sie aber erstmal bestehen. Die Betonung liegt auf Erstmal! Kein Grund also, frustriert zu sein oder Rückschlüsse auf die eigene Technik-Affinität/Blödheit zu ziehen.

Sollte es also tatsächlich Menschen geben, die mich beim Programmieren begleiten und nicht nur Nerds mit Hang zur Nostalgie, kann ich euch nur Mut zusprechen. Solche Barrieren lösen sich mit ziemlich großer Sicherheit auf, wenn ihr ein paar Spezialexperten konsultiert. Auch wenn das nicht weniger anstrengend war. Aber es eröffnete Möglichkeiten.

 

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