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Seitdem ich unter der Lehnherrschaft der Iron Blogger stehe, ist alles anders!

Mehr habe ich dazu eigentlich nicht zu sagen. Es sagt auch im Grunde genommen nichts aus, da sich zu jedem gegebenen Zeitpunkt alles verändert, sonst gäbe es auch keine Veränderung, Zeitintervallen, Facebook-Updates und verschimmelte Pfandflaschen.

Jedenfalls – die neue Notwendigkeit, jede Woche zu bloggen, stellt mich schon vor eine neue Herausforderung, die ich versuche, möglichst produktiv zu nutzen – ich könnte ja zum Beispiel mehr programmieren! Jede Woche einmal. Aber manchmal ist selbst das neben Studium, Job, Band und faul im Park rumliegen leider nicht drin. Für einen typischen FLP-Blogpost brauche ich viel Zeit, die weit über das Schreiben des Artikels hinausgeht. Trotzdem möchte ich den Ansatz, jede Woche zu bloggen weiter verfolgen, ohne deswegen jede Woche notgedrungen schlecht zu bloggen. Ich freue mich auch darüber, dass eigentlich aus der Not heraus dadurch die Linklisten-Kategorie wieder aufgenommen wurde.
Dieses Wochenende fahre ich mal wieder auf ein geheimes Geheimfestival und es steht ein Blogpost an, damit ich nicht das Essensgeld von einem Monat (5 Mark) in die Bierkasse zahlen muss. So viele interessante Gedanken, Ideen, Fragestellungen und Gespräche gehen in diesem vergänglichen und eingeschränkten Twitter mehr oder weniger verloren. Ich twittere sie, es kommen Antworten und dann scrollt alles wieder weg. Wie so vieles. Das ist schade, denn so einige Überlegungen gerade zur zunehmenden Digitalisierung aller Lebensbereiche und die Bedeutung von digitaler Alphabetisierung sind neuartig und bedürfen Klärung und der richtigen Fragen. Außerdem habe ich bisher eh immer die Linkliste missbraucht, um meine Meinung zu bestimmten Themen detailliert darzustellen. Dann kann ich das auch gleich als eigene Kategorie einführen.

tl;dr : Mir ist es wichtig, auch mal lose Gedanken hier reinrotzen, festhalten und teilen zu können. Machen andere ja auch, dieser Fofo oder Fifi oder wie der heißt, zum Beispiel.

Im Gegenzug erwarte ich von euch, dass ihr alles nicht so ernst nehmt und maximal auf demselben Niveau zurückrotzt. Danke.

  • Bin ich feministisch?

Neben Drogen, Israel und Pädophilie ist Feminismus eines meiner Lieblingsthemen im Netz! Entsprechend relaxt war ich, als die ExpertInnen für Analsex und Blowjobs von der Vice mich um ein Interview über Geeks und Feminismus baten. Aber was soll’s, Johls schlagfertiges Argument „Ich fände es lustig“ war Grund genug, es entgegen aller Zweifel doch zu tun. Eigentlich war es auch ganz in Ordnung, die Journalistin war sehr nett und bemühte sich auch darum, mir Handlungsspielraum zu geben bei der Darstellung meiner eigenen Person. Ich war  aber ehrlich gesagt überrascht, dass ich überhaupt angefragt wurde, da ich meines Erachtens keine deutliche Position im Spannungsfeld Feminismus-Nichtfeminismus einnehme.

Mich verwundert es, wenn mein Blog in feministischen Kontexten erwähnt wird, da es meines Erachtens zu sehr mein Geschlecht in den Vordergrund rückt. Dabei ist das Besondere nicht, dass ich eine Frau, sondern dass ich eine völlige Nulpe in Mathe, Physik, Chemie bin und erst Recht in diesem beschämenden Schulfach ITG durch das ich mich ein Jahr lang quälte und lernte, wie ich gifs zwischenspeichere.
Jetzt lerne ich Programmieren, bin sauschlecht darin, schreibe nur Quatsch-Code und schaffe das im seltensten Falle ohne fremde Hilfe. Und ich lerne trotzdem weiterhin Programmieren und habe trotzdem Spaß daran, meinen Computer zu verstehen, ich habe trotzdem ein riesiges Interesse daran, zu verstehen, wie das Internet funktioniert und will verstehen, verstehen, verstehen. Das ist viel eher das, was ich kommunizieren will als die Botschaft „Ihr werdet es nicht glauben, aber ich lerne Programmieren, obwohl ich eine Frau bin!“
Was antworte ich dann einer Journalistin, die mich fragt, weshalb ich keine Feministin bin? „Scheiße“ dachte ich. Ich kann überhaupt nicht öffentlich sagen, dass ich keine Feministin bin, dann bin ich nämlich Antifeministin. Oder? Dabei finde ich es anmaßend, mich Feministin zu nennen, Feministin bin ich womöglich erst, wenn ich Feministin genannt werde, so ähnlich wie bei den Hackern. Dabei weiß ich, dass ich teilweise extremere Positionen vertrete als manch eine designierte Feministin im Netz, selbstverständlich beschäftige ich mich mit Themen, die eng mit Feminismus verknüpft sind, die ich aber eher unter Gender/Queer ablegen würde. Ich kenne und mag die meisten Feministinnen die im Netz unterwegs sind und vertrete ihre Überzeugungen, jedoch nicht immer ihre Methoden und mir ist es unheimlich wichtig, dass die Ideen des Feminismus kommuniziert und gehört werden. Deswegen kritisiere ich auch feministische Strömungen und Handlungen – weil sie mir wichtig sind und ich nicht möchte, dass beispielsweise unnötige Fronten aufgebaut werden, wo auch Zusammenarbeit möglich wäre.

Aber mal Titten auf den Tisch: Es ist mir scheißegal, ob ich Feministin genannt werde. Wenn ich mit meinem Blog etwas dazu beitragen kann, dass Frauen (aber auch Männer und Hunde usw.) sich von ihren ansozialisierten Unsicherheiten emanzipieren können, dann ist das eine großartige Sache und verleiht meinem Blog eine feministische Wirkung oder eine Wirkung im Sinne des Feminismus. Ob ich deswegen eine Feministin bin, weiß ich nicht und es ist auch wirklich total egal. Man kann auch feministisch handeln, ohne sich selber „Feministin“ auf die Fahne zu schreiben.

Das alles wurde natürlich im Artikel, der kürzer ist als dieser Blogeintrag, zusammengestaucht auf  „Labels sind Labels, Handlungen sind Handlungen“ als Zitat. Ich hoffe, dass ich an dieser Stelle noch einmal erläutern konnte, was damit gemeint ist.

(Nachtrag: Der Link, nachdem mir mehrere Leute bezeugten, dass der Artikel gar nicht so schlimm sei: http://www.vice.com/de/read/der-aufstand-der-geek-girls-gegen-sexismus/?utm_source=vicefb)

  • Verschlüsselung, Usability und Verständnis

Ich finde es unheimlich erfreulich, dass der Prism-Roman so viele Leute dazu motiviert, sich doch noch mal mit Verschlüsselung auseinanderzusetzen. Selbst in meinem Bekanntenkreis fangen Menschen, von denen ich es nicht erwartet hätte an, sich in aller Ruhe die vielen Anleitungen durchzulesen. Mitunter fragen sie mich dann nach Rat und ich sage immer „nö“ und dann sagen sie „na komm schon“ und ich sage „ok“ und dann bin ich meist davon überrascht, wieviel ich ihnen dann doch weiterhelfen kann. Dabei bin ich selber noch gar nicht so besonders weit gekommen mit der Verschlüsselung. Aber ich kann nicht oft genug wiederholen, wie wichtig auch die Initiative von seiten derer ist, die bereits fit in Sachen Security sind. N00bs und N3rds sind gleichermaßen dazu aufgefordert, spätestens jetzt aktiv zu werden. Wenn selbst ich eine Nicht-Nerdine durch die Verschlüsselung begleiten kann, dann sollte das für euch- ach was erzähl ich, natürlich ist es kein Problem. Jede und jeder von euch oder uns kann sich anbieten und initiativ Hilfe anbieten für FreundInnen und Bekannte. Ich finde die Initiative der Piratenpartei  zum Beispiel wirklich gut. Das ist eine gute Richtung und eine wichtige Aktion. Es braucht aber noch mehrmehrmehr.

Es gibt so viele Menschen jenseits der Hackerspaces, Piratenpartei und Nerdkreise, die Verschlüsselung wollen und nötig haben, beispielsweise im aktivistischen linken Kontext. Das durch die Affäre um Prism induzierte Bewusstsein für die Nähe, die zwischen meinem Alltag und Überwachung bestehen kann, sollte als Chance erkannt werden, auch über die üblichen Verdächtigen hinaus Menschen digitale Alphabetisierung und Selbstverteidigung näherzubringen. Die Sorge oder eher Beschwerde darüber, dass dieses Bewusstsein nur von kurzer Dauer sein könnte, ist kein Gegenargument, sondern ein Grund, schnell zu handeln.

Nebenbei – die Diskussion darüber scheint ja von einer Diskussion um Usability begleitet zu werden. Ich verstehe das Argument, dass es ein großes Problem ist, dass Verschlüsselung so aufwändig ist und je länger man darüber nachdenkt, dass Verschlüsselung nicht per default in Mail Clients eingebaut ist, desto perfider wirkt diese Tatsache. Ich stimme auch zu, dass die Arbeit an der Usability von Verschlüsselung überfällig und enorm notwendig ist. Aber ich finde es genauso wichtig, dass sich Usability und Verständnis nicht ausschließen. Wenn Verschlüsselung nur einen Mausklick entfernt ist, werden mehr Menschen Verschlüsselung verwenden – klar. Das ist positiv, doch genauso wichtig ist meines Erachtens ein Verständnis dafür, wie Verschlüsselung funktioneren sollte, kann und muss. Nicht zuletzt um die eigene Kommunikation wirklich als sicher oder unsicher einstufen zu können. Es gibt bestimmte unsichere Parameter, wie gefälschte Schlüssel, die ich nicht kenne, wenn ich tatsächlich nur weiß, wo ich einen Button klicke. Und nicht zuletzt sind politische Entscheidungen besser bewertbar, wenn ich Ahnung von Security habe und daher weiß, dass die de-mail nicht nur Unsinn, sondern Strategie ist.

  • Ingress

Die einen schreiben gerade ihre Klausuren und gehen in drei Wochen auf Weltreise, die anderen schreiben irgendwann ihre Hausarbeit und geben sie zu spät ab. Mit der Sommerzeit stand ich vor der Entscheidung ob ich nochmal eine theoretische Hausarbeit schreibe über die mit Macht aufgeladene Produktion von Stereotypen schreibe und was diese mit Rassismus, Neokolonialismus und dem deutschen Historischen Museum zu tun haben, oder über Ingress. Das ist quasi eine Entscheidung zwischen acht bis zehn Stunden pro Tag zuhause Texte exzerpieren oder mittels Teilnehmender Beobachtung eine Feldforschung über ein supergeiles Spiel an der Sonne durchführen. Nach langwieriger Überlegung und vertraulichen Gesprächen mit mir nahestehenden Personen entschied ich mich für letzteres. Ich komme derzeit nicht aus diesem Hybrid von Grauen und Faszination raus. Wobei – wenn ich mir anschaue, wie lange ich mit meinem Fahrrad mittlerweile brauche, um von einem Ort zum 5 km entfernten Ort zu gelangen, habe ich schon längst die wissenschaftliche Distanz abgelegt.
Wenn jemand von euch Ingress-SpielerIn ist und mit mir gerne darüber sprechen oder sogar mit mir zusammen spielen würde, freue ich mich über Kontaktaufnahme. Wen es noch so interessiert, der oder die kann mir auf Twitter folgen, wo ich als arduina_blau meine Feldnotizen so gut wie möglich in 160 Zeichen presse. Und ja. Ich bin blau. Keine Diskussion.
Diese und nächste Woche bin ich noch am Forschen, Interviews führen, spielen und Feldnotizen anlegen, bis ich womöglich problemorientiert einer bestimmten Forschungsfrage nachgehe, die vermutlich so simpel sein wird wie: „Wodurch entsteht das Spielvergnügen und warum zur Hölle fahre ich bei 29°C in der Sonne schwitzend wie ein Schwein mehrere Stunden durch die Gegend, verbrenne mir die Haut und kriege den Hals einfach nicht voll von diesem Spiel?!“

Wohin genau die Reise geht weiß ich jetzt noch nicht. Aber sicher ist jetzt schon, dass Ingress auf so vielen Ebenen absolut neu und unheimlich faszinierend ist. Es geht hier um neuartige Konzepte von Räumlichkeit, die ja eigentlich schon neu waren, es geht um eine völlig neuartige Relevanz von Körperlichkeit in digitalen Spielen, es geht um noch nie dagewesene Grenzüberschreitungen von Online-Offline, Real-Virtuell, usw. Eine kulturwissenschaftliche Goldgrube. Vermutlich bin ich auch nicht die erste, die darauf aufmerksam geworden ist und es werden Veröffentlichungen folgen. Aber egal, ich muss jetzt schnell los, irgendein grüner Depp hat mein Portal zerstört und ich muss… ach ihr wisst schon, tschüß!

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