OHM Day 3

Der letzte Tag ist angebrochen und es sinkt immer weiter die Wahrscheinlichkeit, dass sich am Gesamteindruck der OHM noch etwas ändern lässt. Das ist eher ein Thema für einen allerletzten Blogpost aber vorab lässt sich schon sagen, dass ich etwas anderes erwartet hätte. Obwohl ich nur sehr wenige Vorstellungen von der OHM hatte, bin ich doch überrascht, wie sehr sie davon abweicht. Das hat vor allem mit einem von mir empfundenen Spannungsverhältnis zwischen Professionalität und charmanter Amateurhaftigkeit sowie Autonomie zu tun. Was mich am allerersten Tag noch beeindruckte ruft mittlerweile nur noch ein Schulterzucken hervor. Es gibt riesige Veranstaltungszelte, Lasershows, eine utopische Bühnenkonstruktion und meine Güte sogar Toiletten! Aber etwas fehlt. Die Leistung die für den Nebelturm erforderlich war – ich vermute mal, eine Menge Kohle draufzuwerfen – ruft sicherlich auch eine Form der Anerkennung hervor, aber eine andere. Magie und Charme kann man nicht kaufen, eher im Gegenteil. Ich möchte alles andere als der Orga die Mühe und den Aufwand absprechen, den sie investiert haben, aber eine Lasershow hinterlässt einfach keinen so schönen und langanhaltenden Eindruck wie ein Pfannkuchenroboter.

Menschen kann man vielleicht schon kaufen, aber sind merkwürdig wenige da, alles wirkt ein wenig, als würde die OHM bestimmt bald losgehen. Daher sind die vielen Superlative, mit denen die OHM jongliert auch kaum oder gar nicht besucht.
Und dies alles wird begleitet von einer – zumindest in den Kreisen in denen ich mich bewege – omnipräsenten Diskussion über den Sponsoringfoo.
Aber wie gesagt – vielleicht lieber später mehr dazu. Vor allem, wenn ich verschiedene Stimmen dazu gehört habe.

Es soll auch nicht der Eindruck entstehen, es wäre hier nicht schön, lehrreich und spannend. Es gibt ein riesengroßes Angebot an Workshops und Talks und es sind wie immer auf Hackerveranstatlungen ein Haufen toller Menschen zu treffen, die Interessantes zu erzählen haben und noch interessantere Getränke trinken.

Der erste Talk, den ich mir gestern anschaute hatte den charmanten Titel „Programming is Terrible – A Story of a life wasted“ von @tef. Der Vortrag entsprach nicht ganz dem, was der Titel versprach, war aber trotzdem ein interessanter Einblick in das in das ProgrammiererInnenleben aus Sicht eines Menschen, der ein beschissener Programmierer ist und Programmieren nicht mag. Tef sprach vor allem über typische Prozesse und Dynamiken zwischen EntwicklerInnen, die an einem Projekt arbeiten. Er sprach beispielsweise über das „Bike Shed“ Phänomen. In Diskussionen oder auf Mailinglisten würden immer mal wieder Themen besprochen, die keinerlei Expertise bedürfen und von geringer Relevanz für den Erfolg des Projektes sind. Als Beispiel dient das Fahrradhäuschen als Teil eines großen Gebäudekomplexes. „Whenever there is no expertise necessary for a discussion, threads will be indefinite.“ Wenn es um die Tragfähigkeit der Pfeiler geht, werden einige wenige Ingenieure oder Architekten etwas dazu zu sagen haben. Entsprechend groß wird dann das das Bedürfnis, die Farbe des Daches zu diskutieren, denn dazu kann immerhin jede und jeder etwas beitragen.
Die Frage, was das jetzt genau mit Programmieren zu tun hat und wie sich das darin äußert ist eine interessante Frage, ich werde aber zunächst eine andere beantworten! (Ich habe keine Ahnung.)

Interessant fand ich seine Darstellung von Code-Paradigmen in Bezug auf die Frage „How to be good“ und wie sehr immer noch die Auffassung, man:good, woman:bad in Programmierkreisen kursiert. Im Endeffekt brach er das Ganze aber auf das altbekannte me:good, you:bad herunter und berief sich auf das Buch „How to be a Hacker“ in welchem der Autor eine detaillierte Beschreibung seines eigenen Werdegangs als Pfad der Erleuchtung darstellt.

Gegen Ende des Vortrages sprach tef sehr viel über das Programmierenlernen und -lehren. Tef betrachtet es als Problem, dass immer wieder Fehler weitergegeben werden und zog „Extreme Programming“ als Beispiel heran. Weiterhin kritisierte tef die Auffassung von ProgrammiererInnen, dass C unbedingt gelernt werden müsse („Learning C is character-building“). Da stimme ich ihm zu, Lernende sollten gleich bei Assembler anfangen und einen Computer aus Zahnstochern bauen können.
Ich mochte seine Auffassung sehr, dass Programmieren unheimlich viel mit Kommunikation und Sozialem zu tun hat („Math actually really is not necessary, but communication is“) wobei ich selber natürlich noch nie in ein größeres Programmierprojekt eingebunden war. Aber ich denke, das ist eine sehr wertvolle Einstellung wenn es um das Programmierenleren geht.

Abschließend sprach tef noch sein Engagement im Code Club an, einem Projekt das mit über eintausend Clubs weltweit Kindern das Programmieren näher bringen will, „before the java people arrive“.
Ich denke, den Coding Club kann man im Auge behalten, neben vielen anderen tollen Initiativen wie der Open Tech School oder Chaos macht Schule. Jedenfalls – wenn so sympathische Leute wie tef mit Kindern über Programmieren sprechen ist schonmal der erste Schritt getan. Wir haben sicher alle sehr unterschiedliche Erfahrungen mit den Menschen gemacht, die uns das erste Mal Computer und Technik und …excel näher bringen wollten. In meinem Falle war es ein muffiger Schulkoordinator ohne Lehrauftrag, der in einem Büro so groß wie ein Schuhkarton saß. Mit 30 anderen Leuten im Klassenzimmer, die alle um die Wette Solitaire spielten, kann man nichtmal besonders erfolgreich vermitteln, wie man gifs zwischenspeichert (warum auch??). Coole Leute, die über Technik reden – davon gibt es eine Menge. Coole Leute, die mit Menschen die programmieren lernen wollen über Technik reden – davon gibt es noch zu wenig.

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